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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Philipp Demandt Direktor auch der Schirn Kunsthalle Frankfurt

24. September 2016

Philipp Demandt, bis Ende September 2016 Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin und ab 1. Oktober Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung, übernimmt zum genannten Datum erwartungsgemäss auch die Direktion der Schirn Kunsthalle Frankfurt und folgt damit in allen drei Positionen Max Hollein, seit Juni dieses Jahres Direktor der Fine Arts Museums of San Francisco. Einen entsprechenden förmlichen Beschluss fasste jetzt die Gesellschafterversammlung der städtischen Schirn Kunsthalle GmbH, bestehend aus den Mitgliedern des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main. Sie folgte damit dem gemeinsamen Vorschlag von Oberbürgermeister Peter Feldmann als Vorsitzendem des Aufsichtsrats der Kulturinstitution und der Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig.

„Philipp Demandt ist ein grosser Gewinn für die Kulturstadt Frankfurt. Seine umfangreichen Erfahrungen als Ausstellungsmacher und Kulturmanager prädestinieren ihn in hervorragender Weise für die Leitung der drei Häuser. Ich bin überzeugt, dass er mit zukunftsweisenden Ideen viele innovative künstlerische Vorhaben umsetzen und die grossen Erfolge von Schirn, Städel und Liebieghaus fortsetzen wird“, erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Und Kulturdezernentin Ina Hartwig betonte: „Die Bestellung von Philipp Demandt als Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt in Verbindung mit der Führung von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung ist eine äusserst erfreuliche Lösung. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem renommierten Kunsthistoriker Philipp Demandt und dem ebenso innovativen wie erfahrenen Team aufregende Ausstellungsformate erwarten können. Die Schirn Kunsthalle zeigt mit ihren publikumswirksamen Präsentationen ein unverwechselbares Profil und hat sich als eines der führenden zeitgenössischen Ausstellungshäuser positioniert. Sie korrespondiert auf eine hervorragende Weise mit den Sammlungsschwerpunkten des traditionsreichen Städel zu Alten Meistern und Werken der klassischen Moderne.“

Frankfurt/Main 23.09.2016 Magistrat bestellt neuen GeschŠftsfŸhrer der Schirn Kunsthalle Frankfurt v.l.n.r. : Inka DršgemŸller ( stellv. Direktorin der Schirn ), Peter Feldmann ( OberbŸrgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn ), Dr. Philipp Demandt ( Direktor der Schirn ), Dr. Ina Hartwig ( Kulturdezernentin )

„Familienfoto“: (v.l.) Inka Drögemüller (stellvertretende Direktorin/Geschäftsführerin der Schirn Kunsthalle, Oberbürgermeister Peter Feldmann (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Schirn Kunsthalle GmbH), Philipp Demandt (Direktor und Geschäftsführer der Schirn Kunsthalle), Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft; Foto: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main, © Alex Kraus

„Über die Entscheidung und das entgegengebrachte Vertrauen des Magistrats freue ich mich sehr. Die Schirn ist eine der taktgebenden Kunstinstitutionen Frankfurts und eines der wichtigsten Ausstellungshäuser Europas. Ihre Leitung ab dem 1. Oktober zu übernehmen, ist nicht nur eine grosse Freude und eine herausfordernde Aufgabe, sondern auch eine Chance, mit anspruchsvollen Konzepten und aussergewöhnlichen Ideen die kulturelle Landschaft Frankfurts und darüber hinaus zu gestalten“, erklärte Philipp Demandt.

Zur Stellvertretenden Direktorin wurde die bisherige interimistische Geschäftsführerin der Schirn Kunsthalle, Inka Drögemüller, berufen, die seit 2001 an zentraler Stelle für die Institution arbeitet. Sie war zuletzt zuständig für die Bereiche Marketing/Kommunikation und internationale Ausstellungskooperation.

Für Philipp Demandt bedeutet der Wechsel von der Spree an den Main nicht zuletzt einen beachtlichen Schritt innerhalb der Museumshierarchie Deutschlands: In der komplizierten Berliner Kultur- und Museumsstruktur leitet Professor Michael Eissenhauer (in Hessen wohlbekannt als ehemaliger Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel) als Generaldirektor die „Staatlichen Museen zu Berlin“, ein Bereich der Stiftung Preussischer Kulturbesitz unter der Präsidentschaft von Professor Hermann Parzinger. Eissenhauer wiederum untersteht als ein Bereich neben anderen der Komplex „Nationalgalerie“ unter der Direktion von Udo Kittelmann (in Frankfurt bestens bekannt als ehemaliger Chef des MMK). Kittelmann (dessen Vertrag kürzlich bis 2020 verlängert wurde) verantwortet neben dem Museum Berggruen und der Sammlung Scharf-Gerstenberg vor allem den Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, die Neue Nationalgalerie und eben die Alte Nationalgalerie, deren Chefposition Demandt jetzt verlässt.

Der 45-jährige promovierte Kunsthistoriker Demandt wurde nach einer Ausstellungsassistenz im Bröhan-Museum 2004 Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder. Zu seinen Aufgaben zählten die Beratung und Unterstützung deutscher Kultureinrichtungen beim Erwerb und der Finanzierung von Kunstwerken von der Vor- und Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert sowie bei Ausstellungsvorhaben. Von 2007 bis 2010 war er zudem Mitkurator der Ausstellung „Luise. Leben und Mythos der Königin“ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Darüber hinaus konzipierte und leitete er die von der Kulturstiftung der Länder herausgegebene Zeitschrift „Arsprototo“ sowie deren wissenschaftliche Publikationsreihe „Patrimonia“ und veröffentlichte zahlreiche Artikel zur Kunst- und Kulturgeschichte in führenden Tageszeitungen. 2012 wurde Demandt zum Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin ernannt. Hier hat er unter anderem mit einer umfassenden Neukonzeption der Schausammlung sowie mit ebenso innovativen wie erfolgreichen Ausstellungen wie „Rembrandt Bugatti“, „Impressionismus/Expressionismus. Kunstwende“ oder zuletzt „Der Mönch ist zurück“ auf sich aufmerksam gemacht (Presse- und Informationsamt Frankfurt).

→ Philipp Demandt neuer Direktor von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung
→ Frankfurt am Main im kulturellen Umbruch
→ Max Hollein geht nach San Francisco

Schirn Kunsthalle Frankfurt: Der Holzschnitt in Wien um 1900

23. September 2016

Der Holzschnitt im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit in seiner ganzen Vielfalt in der Donaumetropole zwischen 1900 und 1910

Von Petra Kammann

Eines der ältesten Druckverfahren der Welt, der Farbholzschnitt, unter Albrecht Dürer in Europa zu besonderer Blüte gelangt, wurde im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt und bekam, ausgelöst durch die „Kunst für  alle“-Bewegung, eine neue gesellschaftspolitische Dimension, vor allem im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts.

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Blick in die Ausstellung „Kunst für alle“: Präsentation der Holzschnitte in aufwändig-dramatischer Atmosphäre, inszeniert von Theaterregisseur Ulrich Rasche und kuratiert von Tobias G. Natter, Experte für die Kunst um 1900; Fotos: (li., Ausstellungsansicht) Norbert Miguletz, (re. Tobias G. Natter) Petra Kammann

In der Frankfurter Schirn Kunsthalle ist – noch bis zum 3. Oktober 2016 – eine herausragende Ausstellung unter dem Titel „Kunst für alle“ zu sehen, die den Farbholzschnitt in der Wiener Moderne auf ungewöhnliche Weise, nämlich auf schwarzen stürzenden Wänden, in Augenschein nimmt. Die Schau dokumentiert am Beispiel von 240 Werken von 40 Künstlern und Künstlerinnen die Blüte dieser Drucktechnik in den goldenen Jahren des Wiener Jugendstils zwischen 1900 und 1910. Sie macht deutlich, dass der Farbholzschnitt die Entwicklung der modernen Bildsprache des beginnenden 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Im hochpreisigen Kunsthandel hatte der Farbholzschnitt mit seinen erschwinglichen Preisen den Erwerb von Originaldrucken auch für ein breites Publikum möglich gemacht. Durch seine Reproduzierbarkeit wurde er so zur „Kunst für alle“.

Modernes Design des Art Nouveau, wie die Stilrichtung im Französischen hieß: Erwin Langs Porträt von Grete Wiesenthal (Das rote Mädchen).

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↑ Erwin Lang, Grete Wiesenthal (Das rote Mädchen), um 1904, Holzschnitt auf Papier, koloriert, 38 cm x 36 cm, UAK Wien, Kunstsammlung und Archiv / Schenkung O. Oberhuber

↓ Anton Eichinger, Till Eulenspiegel, um 1903, Farbholzschnitt auf Japanpapier, teils mit Aquarellfarbe überarbeitet, Blatt: 30 x 28 cm, Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlungen und Archiv, Schenkung Oswald Oberhuber, Inv. 753

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Typisch hier die flächige und ornamentale Stilisierung sowie Gestaltung des Quadrats.

Warum gelangte nun gerade in Wien der Holzschnitt zu einer besonderen Blüte? Während die Malerei dort noch an der eher konservativ historistisch angelegten Akademie der Bildenden Künste gelehrt wurde, wurde die Grafik an der Wiener Kunstgewerbeschule aufgewertet. War sie noch im 19. Jahrhundert zum gängigen Verfahren für illustrierte Bücher herabgesunken, so hatte sie sich um 1900 immer mehr zu einem Zentrum der Avantgarde und des neuen Designs entwickelt. Da aber auch die Fotografie eine neue Bedeutung erlangt hatte, musste die traditionelle Malerei als Abbild der Wirklichkeit in Frage gestellt werden. Daraus ergaben sich neue Freiräume, die gestaltet werden konnten. Erst die Befreiung aus den Zwängen des traditionellen Mediums der Malerei konnte zur Basis für eine künstlerische Neubewertung des Farbholzschnitts werden, aus der dann auch eine neue experimentierfreudige Formensprache entstand. Charakteristisch dafür waren vor allem die Umrisszeichnungen sowie die flächig stilisierende Darstellungsweise, welche die verschiedensten Lebensbereiche widerspiegeln sollten.

„Obwohl die Wiener Moderne in den letzten Jahrzehnten intensiver erforscht wurde als jede andere Epoche der österreichischen Kunst- und Kulturgeschichte“, so Tobias G. Natter, Kurator der Ausstellung und Experte für die Wiener Kunst um 1900, „wurde ihr Beitrag zur Kunst des Farbholzschnitts bislang kaum thematisiert. Dieser blinde Fleck lässt sich teilweise vor dem Hintergrund des enormen Facettenreichtums der Wiener Moderne erklären, aber auch damit, dass das alles überstrahlende Dreigestirn Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka den Blick auf das Medium bisher verstellte. Keiner der drei interessierte sich sonderlich für den Holzschnitt. Dennoch war die Neuentdeckung des Holzschnitts und verwandter Techniken in der Moderne ein Experiment mit weitreichenden Folgen, nicht zuletzt für nachfolgende Künstlergenerationen. Am Wiener Farbholzschnitt faszinieren die stilistische und thematische Vielfalt sowie eine noch heute spürbare Aufbruchsstimmung, die sich aus vielen Quellen speiste und erfolgreich um ein zentrales Thema rang: Flächenkunst von bleibendem Wert zu schaffen.“

Holzschnitte waren – im Gegensatz zu gemalten Bildern wie denen Gustav Klimts – auch für größere Bevölkerungsschichten erschwinglich. Hinzu kam, dass die Vertreter der Wiener Secession in ihrer Zeitschrift „Ver Sacrum“ (lat. Heiliger Frühling) verkündet hatten: „Wir kennen keine Unterscheidung zwischen ,hoher Kunst‘ und ,Kleinkunst‘, zwischen ,Kunst für die Reichen’ und ,Kunst für die Armen’“. Der Alltag – so ihr Credo – sollte von Kunst durchdrungen werden. Das bezog sich sowohl auf Häuser, Möbeldesign, Typografie als auch auf die Gestaltung von Alltagsgegenständen, wie sie vor allem auch durch die Vertreter der Wiener Werkstätten, einer Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, so charakteristisch war. Man denke nur an die Möbel von Josef Hoffmann oder an das Ausstellungshaus der Wiener Secession nach Entwürfen des Otto-Wagner-Schülers Joseph Maria Olbrich. So gelangte zwischen 1900 und 1910 der illustrative Farbholzschnitt vor allem auch wegen seiner innovativen Formensprache zu neuem Ruhm. Insgesamt erschienen in dieser Zeitschrift 216 grafische „Originalholzschnitte“.

Daran hatten nicht nur die Künstler der Wiener Secession wie Carl Moll und Koloman Moser besonderen Anteil, sondern auch etliche Künstlerinnen und einstige Schülerinnen der berühmten Wiener Kunstgewerbeschule wie Jutta Sika oder Marie Uchatius. An der Kunstgewerbeschule waren nämlich nun auch Studentinnen zugelassen, später dann auch Lehrerinnen. Von der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts wurden sie zwar kaum wahrgenommen, weswegen uns ihre Namen noch heute kaum vertraut sind. Tatsächlich aber hatten sie sich in ihrer Experimentierfreude von den neuen Möglichkeiten des Druckverfahrens inspirieren lassen. Diese boten ihnen sowohl neue Freiräume für ihre künstlerische Phantasie als auch für ihre gesellschaftliche Emanzipation. Wichtig war für sie vor allem, dass auch der Alltag mit Kunst durchdrungen werden konnte.

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Marie Uchatius, Panther – Muster für ein Vorsatzpapier, um 1905, Holzstöckeldruck und schwarze Tinte auf Papier, Blatt: 40,2 x 29,5 cm, MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst

Andererseits führte der Einfluss des japanischen Holzschnitts seit der Öffnung Japans 1854 nicht nur in Paris und London zu einer großen Japanbegeisterung. Der Pariser Kunsthändler Siegfried Bing belieferte von 1888 bis 1891 in seiner Zeitschrift „Der japanische Formenschatz“ die europäischen Metropolen mit tausenden von Abbildungen japanischer Kunst, die von den Künstlern aufgegriffen wurden. Um 1900 ist auch Wien davon infiziert. So widmete sich die sechste Ausstellung der Wiener Secession der japanischen Kunst. Aus einer Privatsammlung wurden u.a. darin 150 Farbholzschnitte abgebildet. Die Wiener Künstlerinnen und Künstler waren vor allem von der Einfachheit des Striches, der Feinheit des Farbauftrags und den sparsam angelegten Freiräumen beeinflusst.

Motive aus dem Tierreich und der Sinn für das Groteske waren besonders beliebt, besonders bei Ludwig Heinrich Jungnickel. Seine „Rauchende Grille“ von 1910 greift Eigenschaften des Großstadtdandys des 20. Jahrhunderts auf: urban, lässig, manieriert und dekadent. In den ornamental gestalteten Freiflächen ist zudem der Einfluss des Japonismus spürbar.

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Ludwig Heinrich Jungnickel, Rauchende Grille, 1910, Farbholzschnitt, 40,3 x 45,9 cm, Privatsammlung Deutschland

Die Jugendstilkünstler verfolgten ähnlich wie die japanischen Meister die Technik des Aquarelldrucks und erzielten damit ebenso nuancierte Farbvariationen.

Ein Vorreiter für die Entwicklung des Wiener Farbholzschnitts war der aus Prag stammende Secessionskünstler Emil Orlik (1870-1932). Seine Quellenstudien hatten ihn schon früh nach Japan geführt, wo er die Technik eingehend studiert hatte. Daher nimmt seine Dreiergruppe „Der Maler“, „Der Holzschneider“ und „Der Drucker“ (alle 1901) eine Schlüsselstellung ein. In der Frankfurter Ausstellung werden sie in einem separaten Bereich zur technischen Praxis des Farbholzschnitts als Leporello gezeigt. Orlik hat darin festgehalten, dass der japanische Holzschnitt eine Gemeinschaftsproduktion ist. Detailgetreu zeigt er die einzelnen Arbeitsschritte auf, wie z.B. der Maler das Motiv entwirft und eine Tuschezeichnung anfertigt, während der Holzschneider die Zeichnung mit der Bildseite nach unten auf den Holzstock legt und in die Platte schneidet. Der Drucker wiederum fertigt die Abdrucke an, auf die der Maler die verschiedenen Farbtöne in die einzelnen Flächen einträgt. Zum Schluss fertigt der Holzschneider für jede Farbe eine eigene Farbplatte an, auf welche die wasserlöslichen Farben aufgetragen werden.

Anhand der kleinen Bretonin von Carl Moll sowie der „Bretonischen Hütten“ lassen sich die Stufen des Zusammendrucks eines Farbholzschnitts verfolgen. Zunächst liefern die Umrisslinien den Grundstock des Holzschnittdrucks. Mit den modellierenden Schraffuren des zweiten Drucks entsteht Plastizität:

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↑ Carl Moser, Bretonisches Kind, 1904, Farbholzschnitt auf Japanpapier, Blatt: 29,7 x 21,1 cm, Albertina, Wien, Inv. DG1912/86, © Albertina, Wien

↓ Carl Moser, Bretonische Hütten, 1904, Farbholzschnitt auf Japanpapier, Blatt: 29,3 x 45,8 cm, Albertina, Wien, Inv. DG1912/89, © Albertina, Wien

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Aber auch andere Reproduktionstechniken werden in der Schau gezeigt wie etwa die Entwicklung von Vorsatzpapieren bei Marie Uchatius’ „Panther“, typografisch gestaltete Kalenderblätter oder Linol- und Papierschnitte. Dass die Ausstellung nach Wien weiterwandert, wundert nicht. Schließlich ist sie in Kooperation mit der Albertina entstanden. An sie gehen die Exponate aus dem eigenen Bestand zurück, während alle anderen Werke an die Besitzer zurückgelangen, darunter viele Privatsammler wie interessanter Weise auch der Kurator selbst.

Wer die Kenntnisse über die revolutionäre Technik und Thematik des Farbholzschnitt vertiefen will, dem sei ausdrücklich der sehr informative 414-seitigen Katalog mit den hervorragenden Abbildungen aus dem Taschen Verlag empfohlen.

„Kunst für alle. Der Farbholzschnitt in Wien um 1900“, Schirn Kunsthalle Frankfurt, bis 3. Oktober 2016

Bildnachweis: Schirn Kunsthalle Frankfurt

 

Krakau, April 2016 (Folge II)

22. September 2016

Von Monika Müller-Löwenberg

Für Christa

FOLGE II

Das Programm wurde vor Ort mehrfach umgestellt. Wir befinden uns im jüdischen Viertel von Krakau. Die Synagoge von außen, eine andere kleine Synagoge, die Remuh-Synagoge, von innen, die heute noch zum Beten genutzt wird. Besuch des jüdischen Friedhofs. An den Gräbern liegen Steinchen vor den Tafeln, einige waren ganz bunt. Ein Grab fiel mir besonders auf: Der Grabstein war verziert mit Blättern und Trauben, in Stein gemeißelt. Zwischen den unterschiedlichen Verzierungen steckten viele kleine Zettelchen und Briefchen. Mir kam sofort die Klagemauer in Jerusalem in den Sinn, ich sah sie vor mir, die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite, wie sie ihre Wünsche auf Zettelchen zwischen die Steine der Klagemauer steckten.

grab-mit-zettel-650 Weiterlesen

„Schaufenster des Himmels“ im Städel Museum

21. September 2016

Der Altenberger Altar und seine Bildausstattung

Eine kleine, wenngleich feine und von manchen Besuchern des Städel Museums vermutlich kaum wahrgenommene Schau in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung geht am kommenden Sonntag zu Ende. In 37 Exponaten wird eine der eindrucksvollsten Kirchenausstattungen aus dem späten 13. und frühen 14. Jahrhundert gezeigt: der frühgotische „Altenberger Altar“ aus der ehemaligen Klosterkirche Altenberg an der Lahn (zwischen Wetzlar und Solms-Oberbiel) und seine reiche Bildausstattung. In der Schau werden erstmals seit der Säkularisation das Hochaltarretabel mitsamt seinem Schreinkasten, der zentralen Muttergottesfigur und den Flügelbildern mit Passions- und Mariendarstellungen sowie das aus dem ehemaligen Prämonstratenserinnen-Kloster stammende Ensemble kostbarster Ausstattungsstücke rund um den Altar wieder zusammengeführt. Dazu zählen Reliquiare, Altardecken von etwa 1330, Goldschmiedearbeiten und Altarkreuze des 13. Jahrhunderts und figürliche Glasmalereien des Chorachsenfensters aus dem frühen 14. Jahrhundert.

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Kirche des Klosters Altenberg bei Solms-Oberbiel, Foto: Philipp Trümper (PTWZ (talk))/wikimedia commons GFDL Weiterlesen

Krakau, April 2016 (Folge I)

20. September 2016

Von Monika Müller-Löwenberg

Für Christa

FOLGE  I

Mein Foto „Engel“ besuchte vor mir Krakau.

Eine Ausstellung des Dezernats Soziales, Senioren, Jugend und Recht der Stadt Frankfurt am Main im Sommer 2012 mit dem Thema: „Älterwerden – Wünsche, Hoffnung, Träume“.

„Es wäre schön, wenn Sie mitmachen“, so eine Mitarbeiterin des Dezernats, die ich kennengelernt hatte, als ich Bewohner der Budge-Stiftung zu einer Ausstellung im Seniorenrathaus in Frankfurt begleitete. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich selbst bereits zur Gruppe der Senioren gehörte. Täglich begegnet mir das „Alter“ in der U3L (Universität des 3. Lebensalters) und macht mir Angst. Ich muss an mir arbeiten.

Das schwarz/weiß Foto habe ich mit blauer Aquarellfarbe auf der linken Seite koloriert. An der Figur entlang steht der Text: „Immer wenn Du meinst es geht nicht mehr, kommt von Irgendwo ein Lichtlein her, dass Du es noch einmal wieder zwingst und von Sonnenschein und Freude singst, leichter trägst des Alltags harte Last und wieder Kraft und Mut zum Glauben hast.“

Das Wunsch-Kästchen hat den Text: BEWUSST GESUND ALT WERDEN
Das Hoffnung-Kästchen hat den Text: LIEBEN UND GELIEBT WERDEN
Das Träume-Kästchen hat den Text: LANGE NOCH IN DEN BLAUEN HIMMEL UND DAS BLAUE MEER ZU BLICKEN WIE DIE STATUE AUF DEM GRABMAHL EINER JUNGEN RUSSISCHEN FRAU HOCH ÜBER DER COTE D’AZUR

Die Mädchenskulptur befindet sich auf dem Friedhof in Menton (Frankreich) hoch über dem blauen Meer.

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Das Foto gewann bei der Ausschreibung, jedoch konnte ich nicht nach Krakau mitfahren, wo die Bilder erneut ausgestellt wurden. Ich wurde als Künstlerin nicht ausgelost. Ich ahnte damals nicht, dass ich doch noch einmal Polen und Krakau erleben und erkunden würde.
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